Hallo und willkommen auf meinem neuen Blog. Ich möchte hier gerne von meinem Handicap erzählen und wie es mein Leben verändert hat. Ich bin zur Zeit an einem wichtigen Wendepunkt in meinem Leben angekommen und möchte diesen auch in der Zukunft gerne mit euch allen teilen.

Ich bin Lisa, 25 Jahre alt und komme aus dem schönen Ruhrgebiet. Ich habe mit 12 Jahren Knochenkrebs bekommen, einen Osteosarkom im rechten Oberschenkel. Damals habe ich dann 1 1/2 Jahre lang eine Chemotherapie bekommen, dann stand die große Operation in der Uniklinik Münster an, in der mein Tumor und der beschädigte Knochen entfernt wurden und durch eine Tumor Endoprothese ersetzt wurden (siehe Röntgenbild). Totaler femur auch genannt, da dieser Knochenersatz vom Hüftgelenk bis runter zum Kniegelenk geht. Danach hatte ich noch einmal ein halbes Jahr lang Chemo, das diente dann rein zur Sicherheit.

Leider wurde mein Bein vor der Operation zur Sicherheit und Stabilisierung 6 Monate lang steif eingegipst, wodurch die mobilität auch nach der erfolgreichen Operation nie wieder zurück kam. So blieb es bis jetzt steif wie ein Brett.

Soweit zu meiner Vorgeschichte, nun ist es 13 Jahre her und ich bin geheilt und der Krebs ist für immer besiegt. 10 Jahre lang habe ich eine Gehilfe benutzt, da ich immer sehr unsicher war und meinem steifen, schwachen Bein nicht vertraut habe. Auch ein paar Muskeln über dem Knie wurden damals mit entfernt, die jetzt auch nicht mehr aufbaufähig sind.

Erst nach 10 Jahren, als ich alt genug war und viel in der Techno Szene und auf Festivals unterwegs war, habe ich endlich die Krücke abgestellt.  Das viele laufen und tanzen ohne Krücke hat mir vertrauen gegeben und ich kann nun komplett ohne laufen.

Doch leider hört sich das alles besser für Außenstehende an als es wirklich für mich persönlich ist. Denn auch wenn ich heute ohne Stütze laufen kann und noch lebe und mein Bein noch dran ist, möchte ich mein Leben ändern und mehr Lebensqualität erhalten.

Es ist leider keine Operation mehr möglich die mein Knie wieder richten kann, es ist für alle die nicht so ein Handicap haben, dass so speziell und so selten ist, sehr schwer zu verstehen und nach zu vollziehen. Ich habe viele Kontakte geknüpft mit Menschen denen es ähnlich geht wie mir, durch Facebook kenne ich nun plötzlich Menschen die mich verstehen können und mit denen man sich über das Leid und auch über die schönen Dinge austauschen kann. Das hat mir sehr geholfen meine Entscheidung zu treffen.

Ich möchte mein Bein nun endlich amputieren lassen…!

Ich weiß…  Jetzt schlucken alle erstmal und sagen was?! Krass warum, du kannst doch laufen und lebst schon so lange damit… Und eine Amputation ist doch schrecklich…  Doch ich kann nur sagen, dass ich es will!  Ich bin überzeugt, dass ich damit alles erreichen kann was ich möchte und ich kann darauf aufbauen. Ein steifes Bein hört sich für einige nicht all zu schlimm an wie nur ein Bein zu haben, doch es ist einfach nicht mein Weg, es ist nicht das Leben das ich führen möchte. Ich will frei sein, tun was ich möchte, mir von einem steifen Körperteil nicht mein Leben vorschreiben lassen. Ich will Möglichkeiten haben die ich jetzt nicht haben kann, die Möglichkeit mich zu steigern, die Möglichkeit Sport aller Art zu treiben,  die Möglichkeiten mein Leben so zu leben wie ich es will! Und vorallem auch schmerzfrei sein, denn ein steifes Bein bedeutet auch, dass der Körper schnell und immer mehr verschleißt, mein Rücken, meine Hüfte…  Ich kann nur humpelnd laufen, was einem auf Dauer starke Schmerzen macht. Selbst normales sitzen und liegen tut oft weh… Und mit den Jahren wird es nur schlimmer statt besser. Ich will nicht mit 40 schon so Schmerzen haben, dass ich dann doch irgendwann zu einer Amputation gezwungen bin, ich will selbst entscheiden. Durch den Willen und den Glauben bin ich auch überzeugt, dass mein Weg weniger Leid mit sich bringen wird und ich mehr Lebensfreude erhalte, da ich es selbst bestimmt habe.

Natürlich denken jetzt viele, sie wird es doch bereuen später, sie weiß nicht worauf sie sich da einlässt oder vielleicht auch, dass ich verrückt bin, aber ich tue das für mich ganz alleine, denn jeder ist für sein eigenes Leben und sein eigenes Glück verantwortlich.

Ich glaube auch, dass ich erst jetzt reif genug für diesen Schritt bin und es erst einmal dazu kommen musste, dass ich es will und voll dahinter stehe mit all meiner Kraft, Zeit und Motivation. Der Weg wird nicht einfach, aber wenn man fest an etwas glaubt und alles bereit ist dafür zu geben, dann kann man alles schaffen.

Ich bin froh, dass mein Ehemann und meine Familie und Freunde alle hinter mir stehen, denn auch das gibt einem Halt und die nötige Kraft für so einen Schritt.
Ich werde bald ein klärendes Gespräch in der Uni Klinik Münster haben wo wir auch den Termin und alles weitere besprechen werden und ich werde euch von all meinen nächsten Schritten berichten. Ich möchte euch an meinem Weg teil haben lassen, nicht nur für mich, um all das vielleicht besser verarbeiten zu können, sondern auch für andere Menschen mit Handicap. Menschen die Angst haben vor sollch einem Schritt, um Ihnen Mut zu machen und auch für all die Menschen die gesund sind und sich so vielleicht besser in einen ‚Kranken‘ Menschen hinein versetzen können und toleranter werden gegenüber behinderten und Kranken Menschen.

Ich stehe natürlich auch für alle Anregungen und Fragen zur Verfügung und freue mich auf euer Feedback.

Meine Endoprothese