Ich möchte euch gerne hier eine Zusammenfassung und vor allem ein Feedback von mir selbst, zu meinem neuen Leben, mit nur 1 1/2 Beinen geben.

Für all diejenigen die mir bis Dato nicht gefolgt sind und nicht wissen was alles passiert ist und wer ich bin.

Ich bin Lisa, 25 Jahre alt und nun stolze Einbeinerin 💪😜. Oder 1 1/2?! ^^

Mein bisheriges Leben, genau genommen die letzten 13 Jahren, hatte ich ein steifes Bein. Ich habe es gehasst und mich auch dafür geschämt. Mit 12 Jahren bekam ich Knochenkrebs im rechten Oberschenkel. Es kam unerwartet und ohne Erklärung. Eines Tages spielte ich bei einer Freundin nach der Schule. Kurz bevor ich nach hause ging, stieß ich mich an der Bettkante des großen Ehebettes, von den Eltern meiner Freundin. Genau über dem rechten Knie, genau an der Stelle, wo ich später den Krebs bekam.

Es ist verrückt aber ich habe nur durch den Stoß glaube ich bemerkt, dass etwas nicht stimmt. 6 Wochen lang wurde die Stelle immer dicker und dicker. Sie schmerzte und als wir beim Arzt waren, wurden erstmal Röntgenbilder gemacht, wegen einem mini Fleck, der komisch aussah, wurde ich weiter geschickt und musste in eine Röhre (glaube CT hieß es).

Man konnte wirklich nur von Glück sprechen, dass man dort eine kleine Auffälligkeit entdeckt hatte. So wurde ich sofort in die Spezialklinik nach Münster geschickt, um dort eine Biopsie zu machen. Biopsie bedeutet, sie schneiden einen auf und entnehmen eine kleine Gewebeprobe von dem noch unidentifizierten Tumor.

Leider ergab die Gewebeprobe nach einigem hin und her, dass der Tumor bösartig war. Das ist für alle ein großer Schock gewesen. Keiner hätte damit gerechnet. So spielt das Leben…

Nach 2 Jahren Chemo und einer großen Operation, war ich geheilt, doch mein erhaltenes Bein blieb seit dem steif. 13 Jahre kam ich damit schlecht bis gut zurecht. Das Leben ist das was man draus macht.

Nach 13 Jahren hatte ich die schnauze voll. Etliche Gespräche und Besuche in verschiedenen Kliniken haben ergeben, dass man mein Bein niemals wieder hin bekommen würde. Ich wurde älter und reifer und hatte mich zu der einzigst möglichen und realistischen Operation entschieden. Eine Bein amputation. Mein Knie war steif, es gab keine Chance mehr für das Knie und ich wollte einfach mehr vom Leben. Ich wollte endlich Leben wie ich es will.

Ich hatte mich immer unwohl gefühlt mit  meinem Bein, es war steif, das Knie war hart und die Narbe knubbelig und eingezogen. Einfach unschön, für mich zumindest. Ich war sonst so selbstbewusst geworden, viele Jahre harte Schulzeit und Kindheit härten einen ab. Das war auch gut so und heute bin ich dafür sogar dankbar. Doch trotzdem konnte ich mich nie damit abfinden, mit meinem steifen Bein.

Ich trug es verdeckt, total bescheuert aber sogar im Sommer ging ich nie ohne Strumpfhose raus. Es war einfach nicht meins, es fühlte sich immer falsch an und nicht wie ein Körperteil von mir.

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Im November war es dann soweit, meine lang durchgeplante und ersehnte Amputation stand an. Ich fühlte mich super und hatte kaum Angst weil meine Freude auf danach einfach viel größer war. Da war kein Platz für Angst, schließlich hilft in so einer Situation nur positives denken und ich habe mich nicht umsonst Monate lang vorher informiert und vorbereitet.

Im großen und ganzen lief alles wie geplant und alles wurde gut. Die Operation gelang, auch wenn ein oder zwei kleine Komplikationen dazu kamen, dass gehört aber bei so einer großen OP dazu.

Ich fühlte mich wie neu geboren. Kaum zu glauben…

Ich liebe meinen neu gewonnenen Stumpf und weine meinem alten Bein keine Träne hinterher. Ich habe nichts verloren, sondern nur etwas gewonnen. Natürlich ist das ganze nicht ohne Schmerzen verbunden gewesen. Leider hatte ich nach der Operation, zwei Wochen lang die schlimmsten Schmerzen meines Lebens…. Die so genannten Phantomschmerzen, das sind fiese und unvorhersehbare Schmerzen im amputieren Körperteil, also im Fuß der nicht mehr da ist. Das ist leider ein Risiko, welches ich eingegangen bin und eingehen musste, mit Medikamenten wurde es später wesentlich besser. Doch wer will ewig harte Medikamente nehmen?! Nun ja heute habe ich nach 8 Monaten Immer noch zwischendurch leichte bis an manchen Tagen auch mal starke Phantomschmerzen, doch es gibt viele Methoden die einem helfen können und ich fange bald eine Schmerztherapie an. 

Und nein! Trotz dieser heftigen Schmerzen, ich bereue nichts.

Wozu auch bereuen? Bringt dieser Zustand mich im Leben weiter oder macht mich glücklicher? Im Gegenteil, Reue ist hier Fehler am Platz, ich liebe mein neuen Stumpf trotzdem und ich glaube fest daran, dass diese Phantomschmerzen vergänglich sind, immerhin sind sie ja schon wesentlich besser geworden. 😉 Zu jedem harten und langen Weg, gehören nunmal viele Dinge dazu, auch Schmerzen sind leider keine Ausnahme, aber auch kein Hindernisse für mich. 

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Heute habe ich zwar noch keine Prothese, da die Anpassung noch etwas dauert, aber es ist bald soweit, dass ich wieder neu laufen lernen kann. Endlich so viele Hürden gemeistert und ich komm immer näher an mein erstes Ziel, es heißt auch nicht umsonst, der Weg ist das Ziel… Es ist nur der Start in mein neues Leben. Es wird niemals aufhören, dass man Steine in den Weg gelegt bekommt. Niemals wird es aufhören, dass man dazu lernt.
Ich möchte allen Menschen die selbst mal in so einer Situation waren, vielleicht ein anderes Handicap haben oder auch evtl. Kerngesund sind, Mut machen und sie motivieren. Das Leben geht immer weiter und es ist alles möglich, was man sich wünscht. Man muss einfach nur für sein Glück kämpfen und wenn es einem nicht gelingt, kann man sagen, ich habe es wenigstens versucht.

Also kämpft für euer Glück ❤️

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Ich freue mich wenn ihr mehr von mir lesen oder hören wollt, gerne könnt ihr meinen Blog hier abbonieren, meinen Blog findet ihr aber auch auf Facebook.

– Falls ihr detailliertere Geschichten hören wollt, wie meine Operation gelaufen ist, habe ich eine extra Kategorie mit dem Namen OP-Tagebuch erstellt. Dort habe ich jeden Tag geschrieben wie es mir ergangen ist. Ebenso blogge ich unter den anderen Kategorien, die auf meinem Blog finden könnt, über die jeweiligen Themen. –

➡️ http://www.facebook.com/daslebenmithandicap ⬅️

Auf Youtube habe ich ebenfalls einen Kanal den ihr gerne hier abbonieren könnt. Dort versuche ich immer öfter, die wichtigen und spannenden Ereignisse in meinem neuen Leben mit einem Bein, in Video Vlogs festzuhalten. Diese werde ich aber auch immer hier in meinem Blog einfügen.

➡️ https://www.youtube.com/channel/UCyc4aafn55rOQGkWHfxlTWQ ⬅️

Viel Spaß beim folgen und lesen, ich freue  mich immer über Feedback. Gerne könnt ihr mir über mein Kontaktformular oder über Facebook, eine Nachricht schreiben.

Kuss 💋 eure Chaos.Cat 


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